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Fondsmarketing
Leseprobe: Kapitel 1
Die Nutzung des Cost-Average-Effektes als
produktpolitische Strategie zur Beeinflussung
des Lebenszyklus von Aktienfonds
1.1 Die Problemstellung der Arbeit vor dem
Hintergrund der strukturellen Veränderung
der Märkte
In den letzten Jahrzehnten haben sich Marktstruktur
und Marktdynamik nachhaltig verändert. Seit Mitte der
80er Jahre fand eine Umorientierung der Märkte hin zu
den Käufermärkten statt und wies damit dem Marketing
eine immer größere Bedeutung zu. Organisation und
Planung von Produktion und Verkauf mussten erheblich
individualisiert werden. Zugleich fand ein intersektoraler
Strukturwandel statt : Besonders der dritte Sektor
(Dienstleistungen) gewann sehr an Bedeutung.
Im Vergleich zu den Zeiten der Massenproduktion nahm
das Risikoprofil der Märkte zu und der Schwerpunkt
der Unternehmensfinanzierung wurde von den Banken
auf die Finanzmärkte verschoben. Die Nachfrage nach
Finanzdienstleistungen weitete sich parallel dazu erheblich
aus, ebenso der Bedarf nach der wissenschaftlichen
Erforschung dieser Vorgänge im Sinne des
Finanzmarketings.
Mit dem Beginn der 90er Jahre erfuhr die technische
Entwicklung im IuK-Sektor eine sprunghafte Entwicklung.
Durch die "Digitalisierung" der Märkte entstand eine
bis dahin nicht möglich gewesene Transparenz und
Kontrolle bei Investitionen und ermöglichte deren
Vgl. Bender/Berg et. al. 1999, S. 445-452 Ausweitung auch auf Länder, welche bis dahin unter
der Bezeichnung "Dritte Welt" von den wirtschaftlichen
Aktivitäten des "Zentrums" fernbleiben mussten. Die
Internationalisierung der Wirtschaft ist inzwischen so
weit fortgeschritten, dass häufig von einer "globalen
Weltwirtschaft" und von einer "Globalisierung der
Wirtschaft" gesprochen wird.
Die Internationalisierung der Finanzmärkte blieb nicht
ohne Konsequenz für die Finanzdienstleister. Das
Wettbewerbsgeschehen bekam eine neue Dimension,
die durch Vielfalt, Komplexität, Härte und Dynamik
gekennzeichnet ist.
In einem derart veränderten Umfeld musste die Branche
der Finanzdienstleister bereits zu Beginn des neuen
Jahrtausends registrieren, dass sich ihr "überproportionales"
Wachstum im Vergleich zu dem der Gesamtwirtschaft
für die Zukunft nicht mehr ohne weiteres prolongieren
ließ. Neben den Veränderungen der volkswirtschaftlichen
Rahmenbedingungen, dem Wegfall der herkömmlichen
Branchengrenzen, Hand in Hand mit dem Vordringen
branchenfremder Wettbewerber zeigte sich auch ein
Trend zu kürzeren Produktlebenszyklen.
Auch die Bedarfstruktur der Konsumenten von
Finanzdienstleistungen machte im Laufe der letzten
Jahrzehnte eine erhebliche Wandlung durch.
Sparbuch, Lebensversicherung und Immobilien, als
standardisierte Formen der Möglichkeiten von Sparund
Geldanlagen, mussten ihre dominierende Rolle mit
neuen Formen des Investments, wie zum Beispiel den
Aktienfonds, teilen.
Vgl. Kühlmann/Käßer-Pawelka et al. 2002, S. 3-7
Vgl. Kühlmann/Käßer-Pawelka et al. 2002, S. 5
Die Motivation zur Geldanlage verstärkte sich durch den
allmählichen Abbau des Sozialstaates. Die Sicherheit der
Arbeitsplätze schwand und soziale Leistungen wurden entweder
reduziert oder ganz gestrichen. So mussten Anleger
ihr finanzielles Schicksal in die eigene Hand nehmen
und für das Alter bzw. schlechte Zeiten (Arbeitslosigkeit,
Krankheit) mehr als früher selbst vorsorgen.
Zum allmählichen Abbau des Wohlfahrtsstaates hat
der internationale Wettbewerb der Unternehmen erheblich
beigetragen. Die finanzpolitisch orientierte
Unternehmungsführung (Corporate Governance) steht seit
den 90er Jahren ständig unter der digitalen Überwachung
der internationalen Finanzmärkte, welche die Finanzlage
der börsennotierten Firmen weltweit mit Kennzahlen
wie Shareholder Value oder Innenfinanzierungsvolumen
(Cash-Flow-Größen) überwachen und bewerten.
Investitionen an den Finanzmärkten waren mit mehr
Risiko verbunden als in den Zeiten einer standardisierten
Massenproduktion. Entsprechend stieg die durchschnittliche
Kapitalrendite.
In einem solchen Umfeld wollten sich Sparer und Geldanleger
auch nicht mehr mit den Zinsen eines Sparbuches zufrieden
geben. In den 90er Jahren wurden den Anlegern durch
eine intensive finanzorientierte
Berichterstattung in den
Medien die guten Erfolgschancen von Aktienanlagen
und Aktienfonds "vor Augen geführt".
Zudem entstand ein allgemeines Bewusstsein für die
Tatsache, dass manche Finanzdienstleister über Jahrzehnte
hinweg im Durchschnitt eine Rendite von zehn Prozent
und mehr zu erwirtschaften in der Lage waren (z. B.
Pioneer Fund, Templeton Growth Fund oder Fund
Market).
Nach dem Boom der Weltbörsen in den 90er Jahren
kam es im Jahre 2001 zu einer Zeitenwende, die durch
den Terroranschlag auf das World Trade Center in New
York am 11. September noch verstärkt wurde und dazu
führte, dass die Erträge aus den Wertpapiergeschäften
wegbrachen. Nicht nur den Anlegern sondern auch
der Branche der Finanzdienstleister wurde klar, dass
die Preisentwicklung an den Börsen zukünftig keineswegs
wie in der Vergangenheit prognostiziert werden
durfte - vielmehr war eine Restrukturierung der
Finanzdienstleistungen notwendig geworden.
Viele Aktienfondsbesitzer brachten ihre Enttäuschung
dadurch zum Ausdruck, dass sie sich anderen Anlageformen
zuwandten und längere Zeit diesen Aktienfonds den
Rücken kehrten. Es waren neue produktpolitische Strategien
notwendig (1), um das noch bestehende Marktpotenzial
für Anleger in Aktienfonds zu erschließen, und (2) um
durch die Verbesserung der Lebenszyklen von Aktienfonds
auch die Rentabilität dieser Produkte zu erhöhen.
Im Sinne dieser Zielsetzungen wollen wir die
Aufmerksamkeit auf das bisher vernachlässigte Segment
der Kleinsparer richten und die These aufstellen, dass
in diesem Segment ein bisher kaum genügend reflektiertes
Potenzial für die Verwirklichung der beiden oben
genannten Zielsetzungen liegt. Als produktpolitische
Maßnahme sollte dazu der so genannte Cost-Average-
Effekt genutzt werden. Er könnte nicht nur zur Schöpfung
von neuem Umsatzpotenzial und besseren Profiten
der Fondsgesellschaften beitragen, sondern auch die
Verlängerung der Lebenszyklen der Produkte ermöglichen.
Aus der Sicht von Kleinsparern bietet dieser Effekt
Vgl. Kühlmann/Käßer-Pawelka et al. 2002, S. 3
zudem auch die Möglichkeit einer idealen Kombination
von Sicherheit und Risiko.
In Ergänzung zu unserer These werden wir versuchen aufzuzeigen,
dass die heutzutage gängige Praxis der Nutzung
des Cost-Average-Effekts nicht dazu geeignet ist, das in
der Methode steckende Potenzial auszuschöpfen, weder
aus Sicht der Kunden, noch der Dienstleister . Wir werden
in diesem Zusammenhang auf die Probleme heutiger
Vertriebsorganisationen von Aktienfonds zu sprechen
kommen und werden die Möglichkeiten eines Vertikalen
Marketings erörtern.
1.2 Gliederung der Arbeit
Wir haben in unserer Einleitung (1.1) auf die Notwendigkeit
neuer produktpolitischer Strategien im Bereich des
Finanzmarketings vor dem Hintergrund der strukturellen
Umbrüche der Finanzmärkte hingewiesen.
Im zweiten Kapitel werden wir die begrifflichen Fundamente
unserer Argumentation legen und uns den zentralen
Begriffen der vorliegenden Arbeit widmen.
Zuerst werden wir die Beschreibung der "globalen Umwelt"
der Finanzdienstleister, über die bereits in der Einleitung
(1.1) gegebenen Konturen hinaus, vertiefen und analysieren.
Anschließend wenden wir uns den verschiedenen
Möglichkeiten einer Definition des Produktbegriffes zu
(2.2), die wir dann mit der Erörterung der produktpolitischen
Ansätze (2.3) fortsetzen.
Im Weiteren (2.4) werden die Aktienfonds aus unterschiedlichen
Blickwinkeln diskutiert: aus der Sicht
der Investmentidee (2.4.1) und der produktpolitischen Strategien der Aktienfonds
(2.4.2), und zwar unter
Berücksichtigung von Teilaspekten wie Produktgestaltung,
Kennzahlen, rechtliche Gesichtpunkte, Preispolitik,
Kommunikations- und Servicepolitik und schließlich
Vertikales Marketing. Entsprechend unserer
Aufgabenstellung werden wir unsere Aufmerksamkeit
in 2.5 dem Lebenszyklus der Produkte widmen und auch
einige kritische Betrachtungen im Zusammenhang mit
dem Produktlebenszyklus-Modell entwickeln.
Im dritten Kapitel wird dann der Cost-Average-Effekt
dargestellt und sein positiver Einfluss auf den Lebenszyklus
von Aktienfonds erörtert. Dabei gehen wir zuerst nochmals
der Frage nach: "Wohin geht die Entwicklung" (3.1),
um mögliche, zukünftige Probleme der Produktpolitik
der Anbieter der Aktienfonds im veränderten Umfeld
dieser Finanzdienstleitung anzudeuten.
Anschließend thematisieren wir die konkreten
Möglichkeiten des Einflusses des Cost-Average-Effektes auf
den Produktlebenszyklus von Aktienfonds (3.2). Welche
Möglichkeiten und Rahmenbedingungen das Vertikale
Marketing für die Cost-Average-Investmentstrategie
bieten kann, beschäftigt uns dann in Abschnitt 3.3. Im
letzten Abschnitt des dritten Kapitels wenden wir uns
dem Cost-Average-Modell noch aus Sicht der Service und
Kommunikationspolitik zu (3.4).
Im vierten und fünften Kapitel findet man eine
Zusammenfassung unserer Arbeit in deutscher und in
englischer Sprache.
(→ Die Zahlen in Klammern weisen auf die Fußnoten im Buch hin.
Diese finden Sie jedoch nicht auf der Homepage, sondern nur im Buch selbst.)
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